Ein paar Erläuterungen zu den Besonderheiten der Ayurvedischen Öle

Eine wichtige Voraussetzung für eine Ayurvedische Öl-Anwendung ist für mich immer ein gemeinsames Gespräch vor jeder Anwendung/Massage, damit ich sehen kann, welches Öl ich zu verwenden habe, um die Gesundheit des Menschen, der sich mir anvertraut zu unterstützen.

Wer schon einmal eine traditionelle Ayurveda-Anwendung in Form einer Abhyanga (Ganzkörperölmassage) oder eines Shirodhara (Stirnguss) erlebt hat, erinnert sich sofort an den besonderen und sehr eigenen Geruch ayurvedischer Behandlungsöle, der von erdig bis würzig und ätherisch reichen kann. Die Öle basieren auf jahrhundertealten Rezepturen mit bis zu 50 verschiedenen Inhaltsstoffen. Ihre ausgefeilte Herstellung und differenzierte Anwendung ist ein einzigartiger Aspekt des Ayurveda.

Besucht man in Indien Produktionsstätten dieser Kräuteröle, so sieht man Unmengen an getrockneten und frischen Pflanzen, die manuell und maschinell zerkleinert, gerieben, entsaftet und gerührt werden. Hinzu kommen verschiedenste Behälter mit fettigen Trägersubstanzen wie Ghee, Sesam-, Rizinus-, Senf- oder Kokosöl und Milch. In sehr großen Kesselartigen Töpfen brodeln in einem langen (oft mehrtägigen) Koch- und Rührprozess ein oder mehrere Basisöle mit einem Kräuterdekokt (Kvatha) und einer Pflanzenpaste (Kalka). Eine wesentliche Eigenschaft der ayurvedischen Ölherstellung ist, dass die Drogen fast nie (es gibt ganz wenige Ausnahmen) in Ghee oder Öl direkt erhitzt werden, was sämtliche Wirkstoffe sofort zerstören würde.

Ayurvedische Öl-Anwendungen wie Massagen, Stirnölguss oder Ölstausee  werden immer mit warmem Kräuteröl durchgeführt, um durch die Kombination von Druck und Berührung, Massagetechnik, Wärme und Öl einen zusammenwirkenden Effekt einer Linderung und Lösung der Beschwerden, die vorhanden sind zu erzielen.  Damit das Öl mit den Wirkstoffen alle sieben Körpergewebe (nach der Ayurvedischen Lehre gibt es sieben Körpergewebe) durchdringen kann, wird das Öl mit immer wiederkehrenden gleichmäßigen Streichungen der Hände in den Körper einmassiert. Ein gut funktionierendes Agni (Verdauungs-Feuer/Stoffwechsel) des Menschen, der massiert wird, ist die Voraussetzung, dass eine Ayurvedische Öl-Massage auch wirklich die Wirkung erzielt, die hilfreich ist. Denn auch das von außen in den Körper eingeführte Öl muss im Körper verarbeitet und verstoffwechselt werden. 

Warum ist dies so wichtig zu wissen?  Ein Mensch mit einer vorhandenden Kapha-Konstitution, der bereits in sich  Eigenschaften wie Schwere und Öligkeit im Gewebe trägt und in der Regel über ein eher schwaches Agni verfügt, kann durch Ölbehandlungen noch schwerer und träger werden. Hat jemand eine Pitta-Störung, kann diese durch Ölanwendungen im Allgemeinen erhöht werden, wenn keine kühlenden Öle verwendet werden, sondern z.B. nur Sesamöl. Vata-Störungen des Bewegungs- und Nervensystems dagegen sind am besten über medizinierte Öle behandelbar, die erwärmend, nährend und beruhigend sind.